Schöner Stottern – Eine Radiosendung

Zwei Betroffene verstecken sich nicht, sondern gehen ins Radio

15.11.2009 Elvira Lauscher

Am 22. Oktober 2009 war Welttag des Stotterns. Viel Publicity gab es nicht rund um diesen Tag. Stottern ist auch heute oft eine peinliche Angelegenheit.

Rund 800.000 Deutsche und damit etwa ein Prozent hierzulande sind vom Stottern betroffen. Und die wenigsten gehen so offensiv damit um, wie dies Armin Steigenberger und Enrico Strathausen tun. Denn sie sind jeden fünften Donnerstag im Monat (wenn es diesen gibt) auf dem Münchner Sender Radio LORA (Münchner UKW-Frequenz 92.4 MHz und im Kabel auf 96.75 MHz) zu hören. Die einstündige Sendung, die beide moderieren, nennt sich frech und selbstbewusst „Schöner Stottern“.

Die Sendung „Schöner Stottern“ entwickelte sich aus einer Reihe von Zufällen

Doch dieses Selbstbewusstsein fiel den beiden Moderatoren auch nicht immer so leicht. „Die Idee für eine Radiosendung, in der Stotternde zu Wort kommen, ging mir jahrelang im Kopf herum, ich wusste aber nie, wie ich das allein und ohne Kontakte hätte verwirklichen können.“, meint Armin Steigenberger. Durch Zufall kam er zu dem freien Radiosender LORA. Armin Steigenberger war dort im Mai 2007 als Lyriker eingeladen und sprach anschließend mit der Redakteurin über seine Idee, eine Sendung für Stotterer zu machen. Diese war davon sehr angetan. Einen Monat später traf er ebenfalls eher zufällig auf Enrico Strathausen. Als ebenfalls Betroffener hat sich dieser intensiv mit der Sprache beschäftigt und promoviert gerade in Sprachheilpädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dazu arbeitet er bereits als Kommunikationstrainer und systemischer Berater. Auch Enrico Strathausen hatte schon die Idee entwickelt, mit dem Thema Stottern mehr in die Öffentlichkeit zu treten und Podcasts dazu zu machen. Als Armin ihn fragte, ob er bei einer Sendung mitmachen wollte, war er gleich dabei und am 29. November 2007 wurde die erste Sendung ausgestrahlt.

An die Öffentlichkeit zu gehen, ist nicht leicht für einen Stotternden

Es ist dennoch nicht leicht, so einen Schritt zu gehen, denn stotternde Menschen neigen dazu, sich zurückzuziehen, gerade Öffentlichkeit und Medien widerstreben ihnen. "Einfach mal schnell beim Radio anrufen", das mache keiner der stottert, sagt Armin Steigenberger. Nach zwei Jahren ist das aber kein Thema mehr für die beiden Moderatoren. Inzwischen ist es für sie genauso selbstverständlich Radio zu machen, wie für Menschen, die nicht stottern.

Die Sendung „Schöner Stottern“ soll auch Wissenswertes über das Stottern vermitteln

Beide wollen allerdings mehr als nur eine Plattform sein, auf der sich Stotternde austauschen können. Sie wollen nicht nur ein Nischenradio für Betroffene machen, sondern auch interessante Themen für Nicht-Stotternde transportieren. „Unser wichtigstes Ziel ist es, darüber aufzuklären, was Stottern ist: Hierzu haben wir immer wieder Interviews mit wissenschaftlichen Experten, aber auch mit Laien und Betroffenen geführt, um zusammenzutragen was das Stottern ausmacht.“, sagt Enrico Strathausen. So haben sie auch einmal versucht, mit Zitaten und Hörbeispielen aus Filmen das Stottern von allerhand Klischees zu befreien, da Stotternde bis heute oft als geistig minderbemittelte Witzfiguren dargestellt würden. Wobei der Humor bei so einer Aktion nicht zu kurz kommen soll und man schon auch über das eigene Manko selbstironisch lachen können muss. „Manche Szenen, wie aus Monthy Python-Filmen, sind zum Abbrechen komisch, aber auch teilweise grenzwertig. Da muss man sehr aufpassen, wie oberflächlich diese Witze zu lasten der Stotternden sind.“, meint Armin Steigenberger.

Stottern ist kein Thema für viel Medieninteresse

Die Sendung „Schöner Stottern“ auf Radio LORA macht jedenfalls etwas, was für Menschen mit einem Manko oder einer Behinderung sehr wichtig ist: In der Sendung spricht man offen über das Thema, macht es damit medienwirksamer. Und das ist beiden Moderatoren sehr wichtig und sie wünschen sich, dass Stotternde selbst mehr dazu beitragen, um andere Menschen für ihr Thema sensibler zu machen. Sie gehen mit gutem Beispiel voran.

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