Radreisen gratis für Kids in Not: Strohtour 2008Reiseunternehmer laden bedürftige Kinder in einen Bodenseeurlaub ein02.10.2008 Jörg Tilmes
Strohtour 2008 - Bernd Schiermann
Vom 22. bis 26. September 2008 fand die "1. Charity Strohtour 2008" statt. Der zweifache Familienvater und Reiseunternehmer Bernhard Schiermann aus dem idyllischen Legden-Asbeck im Münsterland wollte Menschen an seinem Erfolg teilhaben lassen, denen es nicht so gut geht. Nahezu ohne jedes werbliche Ausschlachten des Projektes lud er 40 Kinder aus Nordrhein-Westfalen ein und schenkte ihnen einen Kurzurlaub: Mit dem Fahrrad rund um den Bodensee zur sogenannten Strohtour. Unterstützt wurde er dabei von Peter Eich und Simon Mink von Bodensee-Radweg.com aus Konstanz, die die praktische Abwicklung der Tour vorgenommen haben und spontan für die Übernachtungen aufgekommen sind. Die Vermittlung der Kinder an die durchführende Agentur kam auf Anregung durch Christiane Groth vom Verein "Ein Herz für Kinder e.V.", Hamburg, zustande. Der Name "Strohtour" kommt vom Übernachten im Stroh in dafür vorgesehenen ScheunenAm ersten Tag starteten die Kids von Düsseldorf aus und reisten in einem komfortablen Reisebus nach Konstanz. Die Niederlassung der Firma Nordsee Fischspezialitäten GmbH aus Bremerhaven hat die Kids mit einem Lunchpaket vor Ort begrüßt. Von da aus ging es mit dem Fahrrad zehn Kilometer zum Bauernhof der Familie Kreis in Ermatingen, auf dem die Kinder übernachteten. Und zwar im Stroh; in Scheunen und Höfen, die für eben diesen Zweck hergerichtet sind und Gruppen sowie Einzelreisenden grundsätzlich die Möglichkeit anbieten, dort vollverpflegt zu übernachten. Die Strohtour ist speziell für Radreisen und Radtouren vorgesehen. Der zweite Tag begann mit einem Bauernfrühstück. Auf dieses folgte bei wunderbarem Wetter eine 23 Kilometer lange Radfahrt entlang des Ufers des Bodensees nach Eschenz zum Hof der Eheleute Senn. Todmüde fielen die Kinder ins Bett. Von der Partystimmung der ersten Nacht keine Rede mehr. Weltbekannt sind die Rheinfälle bei Schaffhausen. Eine Fahrt mit dem Bodenseeschiff ab Stein am Rhein brachte die Kids am dritten Tag ganz nah ans Wasser ran. Sie konnten dadurch die Wucht der tosenden Wassermassen hautnah miterleben. Auf dem Bodenseeradweg setzte die Gruppe am vierten Tag den Weg von Eschenz über Stein am Rhein nach Gaienhofen fort; eine Tour, die etwa 35 Kilometer lang ist. Von Gaienhofen aus ging es mit dem Schiff nach Berlingen und von dort aus per Rad zurück nach Ermatingen wieder zum Strohhotel der Familie Kreis. Dort endete die Tour und am Morgen des fünften Tages ging es mit dem Bus wieder nach Hause. Nicht alles ist glatt gegangen: Promis hatten keine Zeit für KinderFür die Kids war ein großes Abschlußfest geplant. Ein Star aus dem Bereich "Deutschland sucht den Superstar" sollte auftreten und Schauspieler aus den Soaps sollten die Radtour tageweise begleiten. Doch das hat nicht geklappt: Der einen Sängerin war ihr Geburtstag wichtiger, dann aber durfte sie nach Erklärung ihres Managers wegen der Arbeit an ihrem neuen Album nicht zu sehr strapaziert werden. Martin Stoschs Management antwortete auf die Anfrage gar nicht erst. Einem weiteren Künstler war der Weg an den Bodensee selbst für diesen Anlaß zu weit. Ein weiterer Sänger mußte plötzlich Verpflichtungen im Ausland nachkommen, obwohl er erst zugesagt hatte. Die Crew von "Anna und die Liebe" konnte die Begegnung mit den Kids am Bodensee auch nicht realisieren, obwohl die Flugkosten vom Veranstalter übernommen werden sollten. SAT.1 erklärte, daß Sebastian König oder Alexander Klaws eventuell kommen würden; dies mußte wegen des Krankheitsfalles eines Schauspielers wiederum abgesagt werden, weil die Schauspieler wegen der offenen Produktionsplanung nachvollziehbarerweise am Ort (Potsdam) bleiben sollten. Auch eine flexible Lösung vom einen auf den anderen Tag – wenn die Drehpläne feststehen – kam nicht zum Tragen. Die Kids und die dann sicher darauf aufmerksam werdende Öffentlichkeit hätten es bestimmt honoriert, wenn Schauspieler der Serie sich für solche Zwecke eingesetzt hätten. Dennoch war die Tour ein Erfolg: Bernd Schiermann steht selbstlos für andere Menschen einSich selbstlos für andere Menschen zu engagieren – das ist in der Gesellschaft heutzutage selten. Bernhard Schiermann hat nicht gewußt, worauf er sich einläßt und was ihm mit den Kids blühen würde, aber er hat die Tour dennoch abgewickelt und Wort gehalten. Dass sich die sogenannten Stars nicht imstande gesehen haben, daran mitzuwirken, zeigt nach Ansicht des Veranstalters letztlich, wie entbehrlich diese sind. Die Kids hatten Spaß, haben den Bodensee und seine Umgebung kennengelernt und wissen jetzt, wie gesund das Fahrradfahren ist. Zwischenfälle oder gar Unfälle gab es keine. Die Kinder haben sich dafür herzlich bei Peter Eich und Simon Mink sowie Bernhard Schiermann bedankt. Schiermann im Interview: "Einmal mehr hat sich gezeigt, welch bemerkenswerte Leistungen Lehrer jeden Tag vollbringen. Ohne den Einsatz von Frau Schmitz-Klatt, Frau Pinkert, Frau Neugebauer und Herrn Tschammer als Betreuer wäre die Tour mit den eingeschränkt lernfähigen Kids nicht möglich gewesen." Schiermann und sein Onlinereisebüro Ebuchen.de wollen daher an dem Konzept, jedes Jahr Kinder in einen Gratisurlaub zu schicken, festhalten. Für das Jahr 2009 sind die Mecklenburgische Seenplatte oder der Starnberger See im Gespräch. Auch in diesem Fall soll Ein Herz für Kinder e.V. wieder um die Vermittlung einer Gruppe von Kids gebeten werden. Eine Privatinitiative mit Beispielcharakter. Urheberrecht: Jörg Tilmes. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.
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